Teheran nennt Feuerpause nach jüngsten US-Angriffen "praktisch bedeutungslos"
Nach den jüngsten US-Angriffen auf Ziele im Iran hat Teheran den Fortbestand der geltenden Waffenruhe angezweifelt. Die im April vereinbarte Feuerpause sei "praktisch bedeutungslos", erklärte Irans Außenministerium am Donnerstag. Irans Verbündete China und Russland forderten nach den neuen Kämpfen eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte derweil Deutschlands Bereitschaft, nach einem Ende des Konflikts in der Golfregion Verantwortung vor Ort zu übernehmen.
Irans Außenministerium erklärte, die von den USA ausgeführten "illegalen und kriminellen Angriffe" der vergangenen Stunden seien nicht nur ein offensichtlicher Verstoß gegen die UN-Charta. Auch sei die Feuerpause dadurch "praktisch bedeutungslos" geworden. Die Verantwortung für "die extrem ernsten Konsequenzen dieser kriminellen Handlung" liege bei den Anführern der Vereinigten Staaten.
Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden zielten die jüngsten US-Angriffe hauptsächlich auf den Süden des Landes. Es wurden demnach aber auch Orte nahe der Hauptstadt Teheran getroffen, darunter Karadsch, Nasarabad und Pischwa.
Bei den Angriffen wurde iranischen Medienberichten zufolge mindestens drei Menschen verletzt. In der Stadt Sirik waren infolge von Schäden an zwei Wasserspeichern laut iranischem Staatsfernsehen kurzzeitig 20.000 Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten.
Das für die Golfregion zuständige US-Regionalkommando Centcom sprach hinsichtlich der neuen Angriffe auf den Iran von "Selbstverteidigung". Es handele sich um "eine Reaktion auf die ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Iran".
Teheran wies die Begründung als "falschen Vorwand" zurück und reagierte seinerseits mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Jordanien und Kuwait. Die jordanische Armee meldete den Abschuss von 20 aus dem Iran abgefeuerten Raketen. In Bahrain wurden Häuser und Autos durch die "verwerfliche iranische Aggression" beschädigt, ein elfjähriges Mädchen wurde den dortigen Behörden zufolge leicht verletzt.
Die Führung in Teheran gab die "vollständige" Schließung der Straße von Hormus bekannt. Die US-Streitkräfte wiesen diese Angaben als "falsch" zurück. Die für die Straße von Hormus neu geschaffene iranische Behörde bestätigte indes am Donnerstag, dass die Meerenge "bis auf Weiteres geschlossen bleibt".
International wurden weitere schwerwiegende Folgen befürchtet - insbesondere nach Teherans neuen Drohungen hinsichtlich der für den Welthandel wichtigen Wasserstraße. "Macht ihr die heilige Straße von Hormus unsicher?! Wir werden euch die Region zur Hölle machen", hatte der Chef der Luftstreitkräfte der Revolutionsgarden, Madschid Mousawi, in Onlinemedien erklärt.
China rief die betroffenen Seiten am Donnerstag auf, die Angriffe "unverzüglich einzustellen". Die Kriegsparteien sollten "zum Dialog und zu Verhandlungen zurückkehren", sagte Pekings Außenministeriumssprecher Lin Jian am Donnerstag vor Journalisten. Ähnlich äußerte sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Saudi-Arabien forderte die Wiederaufnahme von Verhandlungen unter der Vermittlung Pakistans und Katars.
Die jüngsten Angriffe erfolgten, während sich eine Delegation aus Katar in Teheran aufhielt. Aus Diplomatenkreisen hieß es, die Gespräche seien "in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten geführt" worden.
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt immer wieder betont, die Verhandlungen mit Teheran stünden kurz vor einem Abschluss. Am Mittwoch drohte er indes mit neuen Angriffen auf den Iran. Der Iran "hält uns weiterhin zum Narren" und werde nun "den Preis dafür zahlen müssen", sagte er Journalisten.
Später sagte Trump nach Angaben eines Reporters des Fernsehsenders Fox New, für den Fall, dass der Iran nicht auf die US-Bedingungen für ein Ende des Krieges eingehe, "werden wir morgen Nacht den Sch... aus ihnen bomben".
Bundeskanzler Merz erklärte derweil in Berlin Deutschlands Bereitschaft, sich an der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen, "sobald die Voraussetzungen dafür vorliegen". Ziel bleibe, dass der Iran sein Nuklearprogramm überprüfbar mache und auf Dauer beende.
Deutschland und 21 weitere Staaten forderten den Iran zudem auf, Angriffe auf Menschen "auf unserem Boden" einzustellen. "Versuche, Menschen auf unserem Boden zu töten, zu entführen, zu belästigen, einzuschüchtern oder anderweitig anzugreifen, untergraben die nationale Souveränität und internationale Normen", hieß es in einer vom französischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung.
X.Voulgaris--AN-GR