Starmer holt nach Wahlniederlage Ex-Premierminister Brown zur Hilfe
Nach der Niederlage seiner Labour-Partei bei den Regionalwahlen und immer lauter vorgetragenen Rücktrittsforderungen holt sich der britische Premierminister Keir Starmer Hilfe. Am Samstag ernannte er den früheren Premierminister Gordon Brown zum Sondergesandten für globale Finanzen und die frühere Labour-Vizechefin Harriet Harman zur Beauftragten für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
Am Mittag empfing Starmer Brown in der Downing Street, der von 2007 bis 2010 britischer Premierminister war. Anschließend zeigten sich die beiden Labour-Politiker gemeinsam vor dem Dienstsitz in London. Medien spekulierten unterdessen, dass Starmer am Montag eine umfassende Kabinettsumbildung bekannt geben könnte.
Offene Rücktrittsforderungen kommen inzwischen auch aus seiner eigenen Partei. "Wenn wir bei den nächsten Wahlen wieder mit Keir Starmer antreten, wird es eine Katastrophe", sagte der Labour-Abgeordnete Clive Betts am Samstag dem Radiosender der Zeitung "The Times". Die Wähler "hörten nicht mehr auf ihn", betonte er.
In einer in der Nacht zu Samstag veröffentlichten Kolumne in der Tageszeitung "The Guardian" hatte Starmer den Wahlausgang als "schmerzlich" bezeichnet. Er wolle aber dennoch weder zurücktreten noch "links oder rechts abbiegen". Stattdessen werde er "auf die Wähler hören" und den "Status quo ändern".
In der Kolumne führte Starmer weiter aus, die Mehrheit der Briten wolle "sichere Grenzen" und geringe Lebenshaltungskosten - unabhängig von ihrem Wahlverhalten. Nun sei es an ihm, die Bürger zu überzeugen, dass Labour dafür die richtige Partei sei.
Bei der Wahl am Donnerstag hatte die sozialdemokratische Labour-Partei die Mehrheit im Regionalparlament in Wales an die Partei Plaid Cymru verloren, die eine Unabhängigkeit für Wales anstrebt. In Schottland verlor Labour ebenfalls und liegt nun gleichauf mit der rechtspopulistischen Partei Reform UK. In England gewann Labour knapp 1000 Sitze in Gemeinde- und Stadträten, verlor aber rund 1400. Die meisten Mandate errang hier die einwanderungsfeindliche Reform UK.
Labour hatte die konservativen Tories erst vor zwei Jahren mit einem Erdrutschsieg von der Macht verdrängt. Die britische Regierung konnte aber kein nennenswertes Wirtschaftswachstum erzielen, machte dafür aber mit Fehltritten und Skandalen von sich reden. In einer Umfrage hatte eine Mehrheit der Labour-Parteimitglieder unlängst angegeben, nicht mehr an einen Umschwung mit Starmer zu glauben.
N.Tsakalidis--AN-GR