Nach erneuten Vorfällen: Nato will über Drohnenangriffe im Schwarzen Meer beraten
Nach erneuten Drohnenangriffen auf Schiffe im Schwarzen Meer will die Nato das Thema auf ihre Agenda setzen. Der Nordatlantikrat werde sich in einer Sondersitzung mit der Lage im Schwarzen Meer befassen, teilte Rumäniens Präsident Nicusor Dan nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte und dem bulgarischen Regierungschef Rumen Radew am Donnerstag in Brüssel mit. Zuvor war kurz hintereinander auf zwei Tankern vor der Küste Rumäniens ein Feuer ausgebrochen, sieben Besatzungsmitglieder galten als vermisst.
Die Drohnenangriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer seien "inakzeptabel" und müssten aufhören, erklärte Dan nach dem Treffen am Rande des EU-Gipfels. "Menschenleben, der weltweite Handel und kritische Infrastruktur stehen auf dem Spiel", betonte er im Onlinedienst X.
Nato-Chef Rutte versicherte, das Militärbündnis werde weiterhin eng mit den Verbündeten im Schwarzen Meer zusammenarbeiten und "unsere Abschreckungs- und Verteidigungshaltung bei Bedarf anpassen". Laut Nato-Vertretern wurde die Beratung zur Lage im Schwarzen Meer auf die Tagesordnung der turnusmäßigen Sitzung der Botschafter der Bündnisstaaten in Brüssel in der kommenden Woche gesetzt.
Seit Anfang Oktober hat es im Schwarzen Meer mehrfach Drohnenangriffe auf Schiffe vor der bulgarischen und rumänischen Küste gegeben. Das Gebiet ist infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine immer wieder Schauplatz solcher Vorfälle.
Am Mittwochabend war zunächst ein Brand auf dem Öltanker "Yara J" vor der Küste Rumäniens gemeldet worden. Kurze Zeit später brach Behördenangaben zufolge am frühen Donnerstag auf einem weiteren Schiff ein Feuer aus. Laut der rumänischen Schifffahrtsbehörde befanden sich an Bord des Chemietankers "Wine Trader" insgesamt zwölf Menschen.
"Fünf Seeleute wurden gerettet, weitere sieben gelten noch als vermisst", erklärte die Behörde. Demnach befand sich das Schiff etwa 13 Seemeilen südöstlich der Stadt Sulina, als das Feuer ausbrach. Die Geretteten wurden in ein Krankenhaus gebracht. Rettungskräfte suchten mit mehrere Schiffen und zwei Hubschraubern nach den Vermissten.
Rumäniens Präsident Dan sagte in Brüssel, beide Schiffe seien von Drohnen getroffen worden. Bereits zuvor hatte er erklärt, dass die Angriffe eine "direkte Folge" des russischen Angriffskriegs in der Ukraine seien.
Bulgariens Regierungschef Rumen Radew äußerte sich am Rande des EU-Gipfels in Brüssel zurückhaltender. "Die Ergebnisse dieses Angriffs begünstigen Russland. Allerdings haben wir keine handfesten Beweise dafür, dass die Drohnen russisch sind", betonte er. Vor der bulgarischen Küste waren zuletzt am Dienstag zwei Handelsschiffe von Drohnen getroffen worden, von denen eins sank. Elf Besatzungsmitglieder wurden vermisst gemeldet.
Am Donnerstag genehmigte das bulgarische Parlament den Kauf von fünf weiteren deutschen Iris-T-Luftverteidigungssystemen. Damit verfügt das EU-Land nun über sechs solcher Systeme. Der Vorschlag für den Auftrag war infolge der ersten Drohnenangriffe auf bulgarische Schiffe Anfang Oktober gemacht worden.
Laut Angaben der türkischen Handelskammer für Seefahrt (Imeak) vom August wurden seit Beginn des Ukraine-Krieges vor mehr als viereinhalb Jahren 226 zivile und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen, der Großteil davon in diesem Jahr.
T.Mitsotakis--AN-GR