Ukraine: Behörden in Kiew richten mobile Luftschutzbunker ein
Die Behörden in Kiew haben mit der Installation mobiler Luftschutzbunker an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs begonnen. An einer Bushaltestelle in der ukrainischen Hauptstadt errichtete die Stadtverwaltung einen zeltförmigen Betonschutzraum für Fahrgäste, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Stadtverwaltung von Kiew erklärte, der Schutzraum solle Menschen während Luftalarmen "vorübergehenden Schutz" bieten.
Die Hauptstadt mit drei Millionen Einwohnern plant den Kauf und die Installation von weiteren 14 Schutzräumen. Die Betonblöcke bieten Sitzplätze für bis zu zehn Menschen und Platz für einen Rollstuhl.
Die Pläne wurden jedoch von Nutzern in Onlinediensten und ukrainischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens kritisiert. "Der erste mobile Schutzraum im fünften Kriegsjahr. Er bietet Platz für zehn Menschen... Bravo – mir fehlen die Worte", erklärte der Nutzer Iwan Tychenko im Onlinedienst Facebook.
Der ukrainische Abgeordnete Jaroslaw Jurtschyschyn erklärte in Onlinediensten: "Die Hauptstadt steht seit drei Monaten unter Beschuss durch Marschflugkörper und jetzt werden die Menschen in Kiew die Möglichkeit haben, sich in Sicherheit zu bringen." Bislang gebe es erst einen solchen Schutzraum. "Am besten wartet man an anderen Haltestellen nicht auf den Bus, denn bei diesem Tempo werden sie mit dem Bau des zweiten erst in fünf Jahren beginnen", fügte Jurtschyschyn hinzu.
Zuletzt war bereits ein offener Streit zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, über die Vorbereitungen auf den Winter ausgebrochen. Der Staatschef warf der Verwaltung der Hauptstadt vor, bei der Vorsorge gegen weitere Angriffe auf die Energieversorgung hinter anderen Regionen zurückzubleiben. Klitschko wies die Vorwürfe als "unbegründet" zurück.
Russland greift Kiew seit Wochen verstärkt mit Raketen und Drohnen an. Angriffe auf die Energieversorgung haben wiederholt Strom- und Wasserausfälle verursacht und zeitweise auch die U-Bahn lahmgelegt. Klitschko sagte in der vergangenen Woche AFP, die Hauptstadt befinde sich im "Überlebensmodus". Die Angriffe erschwerten den Aufbau einer Notversorgung mit Wärme und das Anlegen von Vorräten an Treibstoff, Lebensmitteln und Wasser. "Sündenböcke zu suchen, verschafft den Menschen keine zusätzliche Wärme."
Selenskyj und Klitschko sind seit Jahren politische Rivalen. Klitschko, der seit 2014 Bürgermeister ist, warf Selenskyjs Regierung bereits kurz nach dessen Amtsantritt 2019 vor, seine Befugnisse unrechtmäßig beschneiden zu wollen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Selenskyj die Wintervorbereitungen der Stadt kritisiert.
L.Papageorgiou--AN-GR