Missbrauchsbeauftragte fordert besseren Schutz von Kindern im Netz
Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat einen besseren Schutz Heranwachsender im Internet gefordert. "Die Risiken im digitalen Raum explodieren", sagte Claus bei der Vorstellung ihres ersten Berichts am Dienstag in Berlin. Tagtäglich würden Kinder und Jugendliche im Netz Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung. So habe schon jeder vierte junge Mensch zwischen 14 und 17 Jahren Cyber-Grooming erlebt. Diese gezielte Online-Kontaktaufnahme sei der Auftakt für sexualisierte Übergriffe.
Es müssten deshalb "altersangemessene, sichere Räume" im Netz geschaffen werden, sagte Claus. Nur in diesen "ist gesundes Aufwachsen möglich". Die Bundesbeauftragte forderte konkret eine Anpassung des Strafrechts. Dieses "schützt aktuell nur Kinder unter 14 Jahren vor Cybercrime", betonte sie.
Ein sexueller Übergriff auf junge Menschen ab 14 Jahren sei nur strafbar, wenn die oder der Betroffene sich erkennbar widersetze. Jugendliche, die überfordert seien oder vor Schock erstarrten, blieben ungeschützt. "Das darf so nicht bleiben", sagte Claus.
Die Bundesbeauftragte forderte zudem, dass Missbrauchsdarstellungen endlich "aktiv gesucht und aktiv proaktiv gelöscht werden". Solche Darstellungen von Kindern und Jugendlichen seien "im Netz und zwar auf allen Plattformen explodiert". Claus betonte: "Solange die Bilder von Betroffenen im Netz kursieren, solange endet der Missbrauch nicht."
Die Beauftragte forderte insgesamt, die Empfehlungen der Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt umzusetzen. Diese von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Kommission hatte Anfang September 56 Empfehlungen vorgestellt, darunter auch eine Mindestaltergrenze für soziale Medien.
Claus trat 2022 das Amt der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs an. 2025 stimmten Bundestag und Bundesrat dafür, aus dem Amt eine Bundesbeauftragte zu machen. Damit verbunden sind regelmäßige Berichte an Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Ihren ersten Bericht legte Claus nun vor. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Kinder- und Jugendschutz im Netz.
R.Zachariou--AN-GR